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20.05.2026 |
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Achtklässlerinnen und Achtklässler der Kurfürst-Balduin-Realschule plus besuchen Ausbildungsmesse auf dem Schiff

Ein Schiff, Getränke und Snacks – das sind die Zutaten, die rund 200 junge Leute in den Trierer Hafen gelockt haben. Statt auf hohe See oder zum Ausflug aufzubrechen, geht es auf der Mosel vom Trierer Hafen bis zur Kaiser-Wilhelm-Brücke und zurück. Mission: Ausbildungsplatzsuche.

Kompakt und konzentriert: Neun Unternehmen organisieren eine Ausbildungsmesse auf dem Schiff Mariangel de Valle Oropeza Velasquez ist begeistert von der Idee, auf einem Schiff die Arbeitswelt kennenzulernen. Neun Unternehmen im Trierer Hafen haben sich zusammengetan und das Luxemburger Ausflugsschiff „Princesse Marie-Astrid“ gechartert. Ziel ist es, per Schiffsevent kompakt und konzentriert jungen Leuten die Unternehmen und ihr Ausbildungs- und Studienangebot vorzustellen – und nebenbei kann auch niemand ab durch die Mitte und sich verweigern.

Die Suche nach neuen Azubis macht Hafen-Unternehmen wie die Steil Gruppe, GKM Automotive, Steil Kranarbeiten, Moselstahlwerk, Bayer und Sohn, ART, Smurfit Westrock, Comes und Am Zehnhoff-Söns zunehmend erfinderisch. „Ich bin sehr angetan, dass es so viele berufliche Möglichkeiten gibt“, sagt die 15-Jährige von der Realschule plus in Bernkastel-Kues. Beim Unternehmen Steil Kranarbeiten hat Mariangel gleich vorgefühlt, wie es mit einem Praktikum aussieht. „Ich mag Büroarbeit, Kommunikation und Organisation und könnte das auch dort mal ausprobieren“, sagt sie erwartungsvoll.

Ihre Freundin Fannie Schendel ist erstaunt, dass gleich mehrere Unternehmen ihren Berufswunsch erfüllen könnten: „Ich möchte nicht nur im Büro sitzen, sondern raus und vielleicht auch mal im Job reisen.“ Im direkten Gespräch hat sie gleich ihre Optionen ausgelotet.

Norbert Krämer, pädagogische Fachkraft der Realschule plus in Wittlich, freut sich darüber, dass die jungen Leute ihre Hemmschwelle zu den Personalleitern in den Betrieben auf dem Schiff abbauen können. „Sie sollen mit offenen Augen fragend durch die Welt gehen und persönliche Kontakte nutzen – alles außerhalb der sozialen Medien“, wünscht er sich. Denn viele Jugendliche müssten und wollten Geld verdienen in einem Job, der ihnen Spaß macht, ohne jedoch eine konkrete Vorstellung von der Arbeitswelt zu haben. „Das Schiff gibt ihnen gleichzeitig ein Event und konkrete Kontakte, statt zig E-Mails anonym ins Nirwana zu schicken und auf Antwort zu warten“, sagt der gelernte Maschinenschlosser mit Heilerziehungsausbildung.

Umdenken in den Betrieben: Der persönliche Kontakt wird immer wichtiger Und auch in den Betrieben gibt es ein Umdenken: Die Zeiten, in denen sich Bewerbungsschreiben auf dem Schreibtisch von Personalabteilungen wie bei Kathrin Duckart vom Trierer Verpackungsunternehmen Smurfit Westrock stapelten, gehören nämlich längst der Vergangenheit an: Ob Kurzbewerbung per QR-Code, Instagram oder WhatsApp – „wir müssen einiges dafür tun, um uns bekannt zu machen, aber auch die Hemmschwelle abzubauen, Kontakt zu uns als Unternehmen aufzubauen“, sagt die HR-Verantwortliche des Unternehmens mit rund 200 Beschäftigten. Bislang läuft das Bewerbungsverfahren Duckart zufolge zu formell und die jungen Leute wüssten nicht, was die Betriebe ihnen bei Praktikum, Ausbildung und Studium so zu bieten hätten.

Das stellt auch Lea Barthel von der ART-Personalabteilung fest: „Ob Lern-Apps oder andere Arbeitgeber-Vorteile: Die reine Ausbildung reicht heutzutage als Bonus für ein Unternehmen nicht mehr aus. Da muss man zusätzlich etwas bieten“, sagt sie. Das Angebot auf dem Schiff habe für das Entsorgungsunternehmen bereits einige aussichtsreiche Gespräche gebracht: „Und wir haben eine richtige Bewerbung für eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement erhalten. Ein echtes Highlight!“

Volker Klassen, Geschäftsführer des Trierer Hafens, ist überzeugt, mit der Idee einer Ausbildungsmesse auf dem Schiff sowohl Jugendliche wie Betriebe „gecatcht“ zu haben. „Alle Betriebe leiden unter Personalengpässen und können oft keine Azubis mehr ausbilden“, sagt er. „Der Krieg um Talente ist groß.“ Immerhin haben die teilnehmenden Betriebe der Ausbildungsmesse rund 1500 Beschäftigte.

„Während die Fragen über Investitionen, Energie oder Ausbau oft in Firmenzentralen irgendwo in Deutschland oder dem Ausland getroffen werden, wird die Frage des Personals noch vor Ort entschieden“, sagt Klassen. Und so sieht er auch eine Zusammenarbeit in anderen „weichen“ Themenfeldern. Der Hafen Trier als Infrastrukturbetreiber habe deshalb großes Interesse daran, dass die hier angesiedelten Unternehmen Nachwuchs für die Zukunft gewinnen.

Mehr Zeit für die Personalsuche: Was junge Leute interessiert Doch nicht nur die Anrainer-Betriebe im Trierer Hafen profitieren von der intensiven Beratung während zwei Stunden Schifffahrt. Denn die Arbeitsagentur und die beiden regionalen Wirtschaftskammern sind ebenfalls an Bord, um zur Ausbildungsplatzsuche zu beraten. Für den 15-jährigen Malik Jashari von der Realschule plus in Wittlich eine gute Gelegenheit, seinem Traumjob ebenfalls ein Stück näher zu kommen.

Denn statt Metallbau oder Mechanik setzt er auf ein anderes Handwerk: „Ich bin schon fündig geworden“, freut sich der junge Mann. Er will Friseur werden, am liebsten in Wittlich und sucht nun eine Praktikumsstelle. „Ich habe die Hoffnung, mit den Adressen, die ich hier bekommen habe, meinem Ziel ein Stück näher zu kommen“, sagt er. Und so werden sich wohl einige junge Leute demnächst bei Betrieben melden, um ihren Weg Richtung Berufskarriere zu starten.

Quelle: Trierischer Volksfreund, Sabine Schwadorf

 

 

 

 

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